Das Symposion
Beim alten Platon wird in seinem Symposion sehr genüsslich über ein Zusammentreffen von lauter Männern berichtet, die über die Liebe und die Sexualität miteinander sprachen: zumeist solche unter Männern. Manche der Teilnehmer waren ursprünglich gar nicht zu diesem Treffen vom Hausherrn eingeladen und wurden von Freunden, die sie auf ihrem Weg trafen, einfach mitgebracht. Der eine oder andere Gast wird auch vermisst und trifft erst später ein. Ihre Reden – eigentlich lauter Monologe – folgen einander.
Wir stellen uns vor, dass da beim Eintreffen später Gäste dann noch ein Platz auf den Liegebänken der griechischen Antike freigemacht und dem Neuankömmling ein zusätzlicher Becher gereicht wurde.
Güde Renkens Symposion geht von heutigen Situationen aus: etwa, dass da draußen in unserer medienüberfluteten Welt offene Gespräche im geselligen Beisammensein, zum Austausch von Meinungen und Erfahrungen, schwierig geworden sind. Ihre Installation wirkt wie ein Vorschlag zum Handeln; ihr Symposion ist eines, das die Zahl der Teilnehmenden offenlässt.
In ihren variierenden Installationen von Tellern, Karaffen, Kannen, Bechern, Gläsern, Schalen und Broten gruppieren sich diese auf der Wand wie in einem Aufblick auf eine reale Raumsituation. Das Oval, in dem sie alle eingeordnet sind, kann variieren. Es beschreibt einen imaginären Tisch, einen Ort, um den herum sich die Anwesenden platzieren. Jeder Person sind Teller, Glas und Becher zugeordnet.
Alle Gegenstände sind linear beschrieben, ihrerseits aber wiederum Gegenstände, weil sie sich als Reliefteile in Scheiben aus Holz, Papier, Zeichnung und Farbe mit Tiefe und farbiger Oberfläche einander zuordnen. Gruppen können sich da bilden: etwa die einander kreisförmig zugeordneten Brote oder die Karaffe mit nebenstehendem Glas, beide mit rotem Inhalt. Oder Teller, die in diagonaler Flucht hintereinander und übereinander erscheinen, obwohl sie auf der Wandfläche einzeln nebeneinander hängen. Die Teile ordnen sich im Ornament und erschaffen zugleich die Illusion von Raum, von Aufsicht auf einen Tisch.
Ein Ort wird das, der andenken lässt, jene Kommunikation, die die Inszenierung vorschlägt, zu beginnen. Im realen Raum vor der Raumillusion könnte auch ein reales Miteinander, ein wirkliches Symposion entstehen. Griffen nur die Betrachtenden die Erinnerungen an ein und Anregungen zu einem Miteinander auf und setzten sie in eigenes Handeln um.
Ulrich Krempel